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Die schönste Jahreszeit im Leben eines Weinbauers ist das Ende des Winters – wenn nach dem Knospenschwellen innerhalb weniger Tage die hellgrünen Triebe herausbrechen und die ersten kleinen Trauben sichtbar werden.
Die Tage werden länger, die Luft gleichzeitig milder. Der laue Frühlingswind trocknet die Feuchtigkeit des geschmolzenen Schnees. Die Natur bekommt plötzlich ungeheure Kraft: zuerst steigt der Saft in die Reben und tropft aus den angeschnittenen Ästen.
Der Weingarten weint…
Dieses „Wasser der Erde“ schmeckt frisch, neutral mit ganz feinem Ton nach mildem Gerbstoff. Die Knospen schwellen an – und plötzlich – innerhalb von ein paar wenigen Tagen – bricht alles heraus – Gräser, Blüten und zuletzt die Triebe der jungen Reben, im frischen Grün – mit winzigen Weintrauben.
Austrieb mit Turbo:
Wie von einem Raketengemisch getrieben, schießen die Reben heuer aus dem alten Holz: Die Kombination: Feuchter Winter + warmer April führen zu einem Blitzstart, ideal für ein gutes Jahr 2009.
Bange Wochen erlebt der Winzer bis zu den „Eisheiligen“ im Mai, ein Schlüsseldatum für Frostnächte …. Der Albtraum des Winzers: Eine einzige Frostnacht könnte die Ernte eines ganzen Jahres zerstören!
Die Aussicht auf neue Ernte lässt auch den Winzer aus der Winterruhe erwachen, die längeren Tage werden genützt, um die Schäden des Winters zu beseitigen. Den Reben wird wieder ein stabiles Klettergerüst gegeben. Die fruchtbarsten Triebe werden an unterstützende Drähte gebunden. Fehlende Stellen werden durch junge Reben ergänzt. Angeschwemmte Erde wird zurückgeführt, herabfallende Steine in die Mauer der Terrasse zurückgelegt. Nach kurzer Zeit ist die Luft – kaum merkbar, aber doch intensiv - mit dem Duft der Akazienblüten erfüllt. Später (meistens Anfang Juni) wird sich der zarte Duft der Rebblüte über die Landschaft ausbreiten.
Glücklich sind die, die jetzt im Weingarten arbeiten dürfen. Am Boden wächst ein Gemisch aus Gräsern, Kräutern und Klee – heftigste Konkurrenz für die Reben, die die Wurzeln dazu veranlasst, tiefer nach unten zu dringen, wo keine andere Pflanze imstande ist, den Reben zu folgen. Bis zu 10 m dringen die Wurzeln in die Dichte des Gesteins vor und werden dann im heißen Sommer die einzigen sein, die die Feuchtigkeit und die im Wasser gelösten Mineralien aus den Felsritzen ziehen können.
Oben nährt aber das reichhaltige Grün eine lebendige Fauna von Regenwürmern und anderen Mitbewohnern.
Während sich die Natur ihren Weg bahnt, muss der Winzer zurück in den Keller, um die Weine aus der Winterruhe zu wecken und in Flaschen zu füllen.
Sommerkollektion 2008
Es gibt Weine, die 1, 2 oder gar 3 Winter im Fass verbracht haben. Durch längeren Kontakt mit der Hefe werden die Weine dichter, komplexer, inhaltsreicher und nachhaltiger. Dieser sehr langsame Ausbau auf der Hefe passt gut zu Chardonnay und Grauburgunder vom Spiegel, zu allen Rotweinen und vor allem zum Sekt, der vom Kontrast frischer, lebendiger Kohlensäure und warmer, cremiger Struktur des Grundweines lebt. Erst durch längere Lagerung wird der Bründlmayer Brut gehaltvoll, interessant und bekömmlich. Jede Aggressivität hat der Grundwein bereits im Fass gelassen.
Um diese Zeit ist aber das Wichtigste die Füllung der Weine des jungen Jahrgangs, deren Leichtigkeit und Frische die Sommerhitze begleiten. Der Jahrgang 2008 ist geprägt von feiner Reife, unterlegt mit fruchtiger Frische. Nun brillieren zunächst die Grünen Veltliner im Bereich „leicht & trocken“, aus de Kamptaler Terrassen und auch der kirschfruchtige Rosé vom Zweigelt lockt mit seinem unwiderstehlich jugendlichen Charme.
Im Schatten dieser ersten jungen Weine stehen die noch „ernsthafteren“ – auf Langfristigkeit angelegte Lagen- und Reserveweine. Sie dienen nicht primär dem unbeschwerten Genuss, sondern sind nächtelang Grundlage für hitzige Diskussionen über Entwicklung und Potential des Jahrgangs 2008. Letzen Endes einigen sich Befürworter und Kontrahenten darauf einigen, doch noch das eine oder andere Fläschchen des Vorjahres zu öffnen, um festzustellen, was aus den älteren Flakons geworden ist.
Alle Weine können glasweise bei unserem Heurigenhof, einem schönen Renaissancebau mit romantischen Garten verkostet werden. Weingut Bründlmayer – Zwettlerstrasse 23 – A-3550 Langenlois Tel. (++43) 02734-21720 www.bruendlmayer.at www.heurigenhof.at |