Weintagebuch
‚Let me freeze…‘- Rebschnitt im Jänner
Das neue Jahr zeigt sich bisher im Kamptal durchgehend von der frostigen Seite. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt halten die Reben in tiefer Winterruhe. Vom Standpunkt des Winzers aus ist das gut, denn die Kälte verlängert das ideale Zeitfenster für den Rebschnitt, bei dem wir das alte Holz der Stöcke bis auf wenige, einjährige Triebe bzw. Zapfen entfernen und das Fundament für den Aufbau der neuen Laubwand setzen.
Wir arbeiten nach dem Prinzip des nachhaltigen Rebschnitts. Unsere Weinstöcke sollen mit Gefühl gepflegt werden und möglichst lange leben. Dafür müssen zum Beispiel beim Schneiden, wo immer möglich, große Wunden vermieden werden. Sie könnten leichter Eingangspforten für diverse Krankheiten bilden. Das geschulte Auge des Weingärtners sieht auch die Unterschiede im Saftstrom einer Pflanze, entscheidet sich jedes Mal für den/die in Zukunft am besten versorgten Trieb(e) am Stock und kürzt diese auf die gewünschte Länge ein. Damit wird auch gleich einmal der potentielle Ertrag begrenzt und die Grundlage für beste Qualität gelegt.
Das „Schneiden“ im Winter ist eine anspruchsvolle Arbeit, die bei unseren Profis oft wie eine meditative Übung aussieht. Alles geschieht in einem ‚Flow‘, nichts wirkt hastig, scheint nach einem inneren Rhythmus abzulaufen. Die Weingärten werden nur kurz in ihrem Winterschlaf gestört, bevor sie wieder in ihren Kälteschlaf versinken, wie das ‚Cold Genious‘ in der berühmten Frostarie von Henry Purcells King Arthur.

