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Weintagebuch

Feste Bindung

13. März 2020

Wir sind nun beim Rebschnitt in der Zielgeraden angelangt! Ein paar Terrassen am Heiligenstein warten noch auf ihren Trimm.

Junge Weingärten werden generell eher spät geschnitten, allein schon, um nach einem eventuellen Frostschaden gute Möglichkeiten zur Korrektur zu haben und z. B. die richtige Augenanzahl zu erhalten. Wir nehmen uns für Junganlagen einfach etwas mehr Zeit, auch mit der Schulung der Mitarbeiter, denn der frühe Aufbau der Rebe, z. B. nach den Prinzipien des sanften Rebschnitts, ist besonders maßgeblich für ihr produktives und hoffentlich langes Leben.

Nach dem Rebschnitt ist das Anbinden der Triebe die wichtigste Arbeit im Weingarten. Dabei wird der gekürzte Trieb der Weinrebe nach unten gebogen und am Drahtrahmen festgebunden. Welchen Sinn verfolgt diese Arbeit? Die Weinrebe ist ein Lianengewächs und folgt dem Prinzip der „Akrotonie". Das heißt, dass sämtliche Energie der Pflanze immer ganz nach vorne geleitet wird. In ihrer wildbelassenen Form wächst die Weinrebe gewöhnlich im Wald, wo sie im Schatten auf Bäumen emporwächst. Sie ist es gewohnt, den Baumstamm hochzuwachsen, sich an den Ästen bis nach oben zu ziehen, um schließlich bis zur Sonne zu kommen. 

Um zu verhindern, dass sich die Energie der Weinrebe nur nach vorne konzentriert, werden die Triebe in unseren Weingärten in einem Bogen nach unten angebunden, damit der Saftstrom und damit die Energie gleichmäßig verteilt und das Wachstum begünstigt wird.

In manchen Teilen Europas findet man heute noch gewipfelte Weiden an den Rändern von Weingartenzeilen, deren dünne Triebe abgeschnitten und im Wasser eingeweicht werden, um sie biegsam zu machen. In unseren Weingärten verwenden wir Eisendraht als Material. Dieses fällt im Laufe des Jahres ab und geht als Eisenoxid wieder in den Boden zurück. Eisenoxid ist gemeinsam mit dem abgeschnittenen Holz der Triebe, ein wertvoller Bestandteil zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit.