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Weintagebuch

Der seltsame Frühling 2020

17. April 2020

Im Wechselbad der Gefühle

Dieser Frühling wird uns allen im Weingut als ein Wechselbad der Gefühle in Erinnerung bleiben! Die jüngsten tollen Presseberichte zu unserem aktuellen Jahrgang wirken wie wärmende Sonnenstrahlen in diesen doch oft grau anmutenden Zeiten! Im Keller machen die mit hohen Erwartungen belegten 2019er schon sehr viel Freude und wir hoffen sehr, sie bald auch über unsere Wirte und Händler an unsere Kunden bringen zu dürfen! Draußen in den Weingärten bietet sich ein wunderbares Bild der jubilierenden Natur! Die Baumblüte und der Austrieb der Wälder und die zögerlich aber nun doch immer kecker hervorsprießenden Wald- und Wiesenblumen erfreuen die Herzen der Spaziergänger auf der Suche nach Abstand zum häuslichen Alltag!

Heiß und Kalt

Dabei schwankt das Szenario derzeit stark zwischen beinahe sommerlichen Tagen und eisigen Nächten bis zu minus 5 Grad! Bereits zweimal hatten wir heuer Glück in den Frostnächten. Während viele Obstanlagen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, haben die Weingärten bisher große Widerstandskraft bewiesen. Verschiedene Maßnahmen wie Heizdrähte, die wir versuchsweise in den kühlsten aber hochwertigsten Lagen ausgebracht haben, taten doch ihre Wirkung. Es ist und bleibt vorläufig trocken. Ein kurzer Wetterumschwung brachte kaum Feuchtigkeit und auch für das Wochenende sind leider nur geringe Regenmengen zu erwarten. Doch die Trockenheit mag auch den Austrieb verzögert haben, was wiederum in vielen Lagen von immensem Vorteil war.

Sorgsame Pflege

 Gleichzeitig können wir viel Positives in der Natur bewerkstelligen: Seit Tagen bringen wir natürlichen Kompost aus, der reich an Nährstoffen und Mikroorganismen, aber auch an Insekten und Würmern ist. Er wird nachhaltig zur Verbesserung der Struktur und der Versorgung unserer Böden beitragen. Wir sind fertig mit dem Anbinden. Nach dem Rebschnitt mussten ja alle einjährigen „Strecker“ an den Drahtrahmen fixiert werden, um für die zukünftigen Triebe den Weg zum Licht vorzubestimmen, also gewissermaßen für die Architektur der späteren Laubwand zu sorgen. Derzeit sind wir mitten beim „Stockräumen“: Wir entfernen dabei das „Beikraut“, also Pflanzen, die mit den Reben in Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe stünden, die aber im optimalen Fall in den Boden gebracht, den Wurzeln sogar als verzögerte Nährstoffzufuhr dienen können. Wir lockern und belüften dadurch den Boden um die Reben. Wir arbeiten mechanisch, in den steilsten und heikelsten Lagen und in Ausnahmefällen sogar noch von Hand mit speziellen Hacken oder„Hauen“:  Von diesen leitet sich ja auch der traditionelle, lokale Begriff „Weinhauer“ für unsere Winzer ab.

Subtile Verjüngungskur am Heiligenstein

Eine schöne Arbeit haben wir am Heiligenstein bald abgeschlossen: Über Jahre hinweg verlieren wir immer wieder einzelne Weinstöcke in den Rieden, sei es, dass diese erkranken, auch z.B. weil sie zuvor bei kleinen Unfällen wie durch Wildverbiss etc. beschädigt wurden, sei es, dass sie einfach ihre natürliche Lebenserwartung überschritten haben. In früheren Zeiten wurden ältere Weingärten relativ früh gerodet. Heute wird gerade in den wertvollsten Lagen versucht, möglichst viel von den alten Beständen zu retten, denn diese mögen zwar weniger und kleinere Beeren tragen, sie sind jedoch besonders charakterstark und dicht im Geschmack. Darum pflanzen wir immer wieder und natürlich von Hand junge Stöcke einzeln in die entstandenen Lücken. Dem altehrwürdigen Heilgenstein wird auf diese sanfte Weise wieder neues Leben eingehaucht.