Weintagebuch
Es blüht bei Regen, Wind und Sonnenschein!
Mit Ende Mai hat im Kamptal die Rebblüte eingesetzt, etwas früher als im langjährigen Schnitt. Während bei den frühen Sorten in den wärmeren Lagen bereits die stecknadelkopfgroßen grünen Beeren gut sichtbar sind, stehen z.B. die Riesling-Weingärten am oberen Heiligenstein noch in Vollblüte. Wenn der Wind ruht, betört hier ein kaum definierbarer, aber doch intensiver Duft die Sinne, der uns sowohl an den Saft grüner Trauben (Verjus) wie auch an frisch gepresstes Traubenkernöl erinnert.
Wechselhafte Wetterverhältnisse lassen eine Prognose über das Ergebnis der Blüte noch verfrüht erscheinen. Es hat zuletzt immer wieder geregnet, ein Segen für die Pflanzen aber natürlich gleichzeitig nicht optimal für den Blühverlauf. Mit teilweise ‚verrieselten‘ also ‚lockerbeerigen‘ Trauben ist zu rechnen, wenn unbefruchtete Blüten in großer Menge von den Rispen zu Boden fallen bzw. ‚rieseln‘. Und wiederum sind die Auswirkungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten. Ein lockerer Besatz von Beeren an einer Traube liefert zwar weniger Ertrag aber erspart manchmal doch das aufwändige Ausdünnen per Hand. Zudem kann der Wind gut durch die Traube strömen, die Feuchtigkeit wegnehmen und zur Gesundheit der späteren Früchte beitragen.
